"Kä Seich jetzt!"

Was heisst "kä Seich jetzt!" Mach keinen Quatsch, trifft es ziemlich gut und damit wären unsere hoch- tief- und Plattdeutschsprechenden Nachbarn wieder mit einigen Worten der deutschschweizerischen Sprache vertraut. Wann sagst du zu dir oder jemand anderem "So, kä Seich jetzt!" Dem wollen wir jetzt vertieft nachgehen, ehrlich - ohne Quatsch! Komm mit und lies weiter.


Ja, es ist Sommer! Und ja, für gewöhnlich ist jetzt die Hochblüte der medialen Saure-Gurken-Zeit. Das ist die Zeit, wo Medien allenthalben über allerlei Positives zu schreiben oder zu reden pflegen. Ereignisse und Vorfälle, die ansonsten vor dem strengen Gericht der Redaktionsbüros keine Gnade finden würden, damit auch keine Druckerschwärze, kein Papier, keine Druckerei und letztlich auch keine Leser. Müsterchen gefällig? "Ente landet auf der Autobahn bei Urdorf" oder "Appenzellerhund Barry's beste Freundin ist ein Papagei".


"Kä Seich jetzt!" Nein, ist doch so. Du hast solche Artikel sicher auch schon gelesen. In Zeitungen, Online, ja sogar die Hauptausgabe der Tagesschau oder 10vor10 und andere Sendegefässe garnieren sich derweil gerne mit Nachrichten solcher Art.

Und was heisst das jetzt? Wer den Eingangstext aufmerksam gelesen hat, dem sollte aufgefallen sein, dass in der Saure-Gurkenzeit gute Nachrichten auch mal die Nase vorn haben dürfen, ... weil, .... weil die schlechten Nachrichten scheinbar rarer sind, da die Menschen in den Ferien sind. Dabei ist gemäss Erhebungen nie mehr als 1/3 der Schweizer Bevölkerung gleichzeitig in den Ferien. Medial gesehen jedoch, sind die Dörfer und Städte leergefegt, eben wegen besagter Ferienzeit. So viel zum Thema Wahrnehmung. Und auch das ist "Kä Seich jetzt!"

Dabei wäre mehr Positives doch einfach besser fürs Gemüt. Nein, natürlich nicht ein positiver Test für was auch immer.

"Kä Seich jetzt!" oder "Mach keinen Quatsch", wird manchmal auch schalkhaft eingesetzt, dann nämlich, wenn einer sagt, er würde jetzt dann gleich etwas machen, was sonst niemand macht oder nicht von ihm erwartet würde? Beispielsweise zu Fuss die Schweiz zu durchqueren.

Solcherlei Ansinnen, wird dann meist mit obgenannter Floskel fragend belächelt, um sicherzugehen, dass der Andere das wohl nicht ernst meint. Wenn doch, dann schickt sich dieser vermutlich an, auf dem Jakobsweg oder einem persönlich gewählten Gang nach Canossa, sein Versprechen doch noch wahr zu machen.

"Kä Seich jetzt!" wird häufig auch bei der Kindererziehung eingesetzt, wie man landauf landab beobachten kann. Meistens noch mit einer unmissverständlichen Miene von mindestens einem Elternteil und von einem mindestens so bedrohlich wirkenden Zeigefinger begleitet. Ich glaube, dazu gibt's jetzt nichts mehr anzufügen, ausser, dass diese Vorgehensweise manchmal das letzte Kapitel zur Durchsetzung des Willens von Erziehungsberechtigten ist, kurz bevor zum verdriesslichen Kapitel "Die Fortführung der Diplomatie mit anderen Mitteln", also zu mehr als nur dem Zeigefinger oder ähnlichem gegriffen wird.

Ein Schelm der Böses dabei denkt, heisst es doch in geflügelten Worten und Nein, bei mir stellt sich keine Saure-Gurkenzeit ein, das hat es noch nie gegeben. Bei den Medien gibt es dass auch nicht mehr. 2021 ist das 2. Jahr seit Anno Domini 2020, dass sich die Medien auch durch den Sommer hindurch mit einem weltumspannenden, scheinbar alles verdrängenden Thema beschäftigen, während Hinz und Kunz in seinem eigenen, oder in fremden Gärten im In- und Ausland seine Sommerbräune einzuziehen pflegt.

Nur für den Fall, dass du gerade jetzt gemerkt haben solltest, dass du dich in deiner eigenen, ganz persönlichen Saure-Gurken-Zeit befindest und das nicht erst seit dem Beginn der Sommerferien, tja dann ist es "höchste Eisenbahn", dass dir jemand "kä Seich jetzt!" sagst, so dass du aus deinem eigenen Sommerloch hervorkraxeln kannst, ohne dir den Fuss am inneren Schweinehund zu stossen. Gehe darüber hinweg, suche und finde neue Ziele und wenn dieses noch so weit entfernt scheint, sieh zu, was du brauchst, um das Ziel erreichen und mache einen Schritt nach dem anderen, darauf zu.

"Unabhängig davon, ob es einfach ist oder nicht, wenn der Anfang gemacht ist, dann wird es besser, day by day."

Herzlichst

Alfred Schuler

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"Ich stehe dazu wer ich bin und was ich tue, denke und fühle. Ergeben sich Schwierigkeiten, nehme ich Anpassungen vor bis es wieder stimmig ist für mich."

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